Emissionen und
Minderungspotential von HFKW, FKW und SF6 in Deutschland
Zusammenfassung
Ausgehend von den aktuellen Verbräuchen und Emissionen der
drei fluorierten Treibhausgase HFKW, SF6 und PFC in Deutschland
zwischen 1995 und 1997 wird für jeden einzelnen ihrer Anwendungssektoren eine
Emissionsprognose mit und ohne emissionsmindernde Maßnahmen bis zum Jahr 2010
erstellt.
Ein Business-as-Usual-Szenario nimmt an, daß gegenwärtige
Nutzungstrends einschließlich heute bereits eingeleiteter Emissionsminderungen
anhalten und schreibt diese bis 2010 fort. In einem Minderungsszenario werden
aus heutiger Sicht realisierbare Potentiale zur Emissionsdämpfung oder
Substitution in jedem einzelnen Sektor ausgeschöpft. Es werden nur solche
Emissionsminderungen berücksichtigt, die nicht durch Nachteile an anderer
Stelle in ihrer ökologischen Wirkung aufgehoben werden.
Eine Stabilisierung der Emissionen fluorierter Gase wird
weder im BaU- noch im Minderungsszenario erreicht. Durch Minderungsmaßnahmen
kann jedoch ihr Anstieg um 150% zwischen 1995 und 2010 auf einen Anstieg um
etwa 34% begrenzt werden.
1. Emissionen 2010 von HFKW, FKW und SF6
im BaU-Szenario
Im BaU-Szenario steigen die Emissionen von HFKW, SF6
und PFC bis 2010 insgesamt von 11,1 auf 27,4 Mio. t CO2-Äquivalente
oder um 146% an (s. Tabelle I).
Am stärksten nehmen erwartungsgemäß die HFKW-Emissionen zu,
die erst seit 1990 gezielt als Nachfolgestoffe für FCKW und HFCKW hergestellt
werden. Sie wachsen von 1995 bis 2010 von 3,1 Mio. t CO2-Äquivalente
auf 19,8 Mio. t oder etwa um den Faktor 6. Der Anstieg der
Gesamtemissionen der fluorierten Treibhausgase wird im wesentlichen duch die
HFKW getragen (s. Tabelle I und Diagramm I).
Die SF6-Emissionen sinken im gleichen Zeitraum von 6,2 auf 5,0 Mio. t
CO2-Äquivalente. Das ist ein Rückgang um
19%. Die PFC nehmen dagegen bis 2010 um 43% zu, nämlich von 1,8 auf 2,5 Mio. t
CO2-Äquivalente.
Emissionsquellen verschiedener Größe im BaU-Szenario
Über 86% der Emissionen fluorierter Treibhausgase oder 23,6
Mio. t CO2-Äquivalente sind im Jahr 2010 aus den sieben größten der
achtzehn Anwendungssektoren zu erwarten. Es sind vier Anwendungen von HFKW,
eine Anwendung von SF6 und zwei PFC-Emissionsquellen. Die
nachfolgenden Kreisdiagramme stellen sie in ihren prozentualen Anteilen an den
Emissionen der drei verschiedenen Treibhausgase dar. 1. Kälte- und stationäre Klimaanlagen (HFKW)
7,7 Mio. t CO2-Äquiv.
2. Mobile Klimaanlagen (HFKW)
4,7 Mio. t CO2-Äquiv.
3. Schäumung von extrudierem Polystyrol (HFKW)
3,0 Mio. t CO2-Äquiv.
4. Schallschutzscheiben (SF6)
3,0 Mio. t CO2-Äquiv.
5. Polyurethan-Montageschaum (HFKW)
2,7 Mio. t CO2-Äquiv.
6. Halbleiterfertigung (PFC)
1,4 Mio. t CO2-Äquiv.
7. Aluminiumherstellung (PFC)
1,1 Mio. t CO2-Äquiv.
2. Emissionen 2010 von HFKW, FKW und SF6
im Minderungsszenario
Im Minderungsszenario sinken bis 2010 nicht nur die Emissionen
von SF6, sondern auch von PFC gegenüber dem Bezugsjahr 1995. Die SF6-Emissionen
halbieren sich, indem sie von 6,2 auf unter 3,0 Mio. t CO2-Äquivalente
zurückgehen (Tabelle II). Die PFC-Emissionen sinken von 1,8 auf 1,1 Mio. t CO2-Äquivalente
oder um 35%, statt - wie im BaU-Szenario - um 43% zu steigen.
Die HFKW-Emissionen werden in ihrem Anstieg gedämpft. Dieser
verläuft von 3,1 auf 10,8 Mio. t CO2-Äquivalente (Tabelle II).
Das ist ein Zuwachs um 244% und nicht um 534% wie im BaU-Szenario. Er ist aber
noch groß genug, um die Gesamtemissionen aller fluorierten Treibhausgase
gegenüber 1995 absolut um 34% wachsen zu lassen, von 11,1 auf 14,9 Mio. t
CO2-Äquivalente (Tabelle II).
Im Jahr 2010 beträgt das Minderungspotential der
vorgeschlagenen Maßnahmen etwa 12,5 Mio. t CO2-Äquivalente oder
rd. 46%.
Das Minderungspotential der einzelnen Emissionsquellen
Für die Umweltpolitik ist außer der Größe der einzelnen Emissionsquellen
wichtig zu wissen, welche Sektoren die günstigsten Chancen bieten,
treibhauswirksame Emissionen einzudämmen. In der Regel weisen die stärksten
Emissionsquellen auch das größte absolute Minderungspotential auf (vgl. Tabelle
III).
Fünf der achtzehn Emissions-Sektoren haben in der Periode
von 1995 bis 2010 ein Minderungspotential von mehr als 1 Mio. t CO2-Äquivalente:
die drei HFKW-Anwendungen Kälte- und stationäre Klimatechnik, PU-Montageschaum
und XPS-Schäumung, die SF6-Anwendung Schallschutzscheiben
und die PFC-Anwendung Halbleiterfertigung (vgl. Tabelle III, rechte
Spalte).
Zu den Sektoren mit Minderungspotential über 1 Mio. t CO2-Äquivalente
gehört im Grunde auch die zweitgrößte Emissionsquelle des BaU-Szenarios, die mobilen
Klimaanlagen. Zwar liegt ihr Minderungspotential 2010 erst bei 0,8 Mio. t
CO2-Äquivalente, aber nur, weil der emissionssenkende Faktor, die
Kältemittel-Umstellung von HFKW auf CO2, seine Wirkung erst einige
Jahre später voll entfaltet. (Anm.: Nach dem Jahr 2020 könnten HFKW-Emissionen aus mobilen Klimaanlagen ganz wegfallen, was
eine Emissionsminderung um jährlich 4,7 Mio. t CO2-Äquivalente
bedeutet.)
Mit den genannten sechs Maßnahmen könnten bereits 84% des
gesamten Minderungspotentials (12,5 Mio. t CO2-Äquivalente)
ausgeschöpft werden (Tabelle III, rechts).
3. Folgerungen für eine Politik der
Emissionsminderung
An dem Umstand, daß die Masse des Minderungspotentials der
Emissionen fluorierter Treibhausgase in sechs Anwendungssektoren konzentriert
ist, kann sich eine Politik der Emissionsminderung orientieren, wenn sie
Schwerpunkte setzen muß. Sie sollte jedoch nicht übersehen, daß in den übrigen
zwölf Sektoren immerhin ein Minderungspotential von zusammen 2 Mio. t CO2-Äquivalente
enthalten ist.
Die Erinnerung daran ist umso wichtiger, als sich zeigt, daß
selbst die Implementierung aller vorgeschlagenen Maßnahmen die Emissionen bis
zum Jahre 2010 keineswegs unter den Stand des Bezugsjahres 1995 senken wird.
Deutschland hat sich verpflichtet, die Summe aller Treibhausgasemissionen
(fluorierte und nichtfluorierte Verbindungen) gegenüber 1995 um 21% zu vermindern.
Die Ausschöpfung des hier veranschlagten Minderungspotentials für die drei
Gruppen der fluorierten Treibhausgase führt aber sogar zu einer Steigerung
der treibhauswirksamen Emissionen um 34%. Dieser Emissionszuwachs muß an
anderer Stelle (CO2, CH4, N2O) kompensiert
werden. Schon von daher verbietet es sich, irgendeinen möglichen
Reduktionsbeitrag treibhauswirksamer Emissionen auszulassen. Vielmehr sind
Anstrengungen notwendig, weitere Minderungspotentiale zu erschließen.
Die Bedeutung der Emissionen von HFKW, SF6 und
PFC erscheint, gemessen an den deutschen Gesamtemissionen direkter
Treibhausgase, relativ gering. Ihr zusammengefaßter Anteil an den
Gesamtemissionen - ausgedrückt in CO2-Äquivalenten (nach GWP mit
Zeithorizont von 100 Jahren) - betrug 1995 ca. 1 Prozent. Dennoch wäre es aus
ökologischer Sicht unangebracht, die fluorierten Treibhausgase zu vernachlässigen.
Denn ohne Minderungsmaßnahmen wird sich im Jahr 2010 ihr Anteil an den gesamten
direkten Treibhausgasemissionen auf etwa 3 Prozent erhöht haben. Dazu kommt,
daß eine Umkehr des Emissionstrends für die mengenmäßig wichtigste Gruppe der
fluorierten Gase, die HFKW, mittelfristig nicht in Sicht ist.
Im übrigen ist darauf zu verweisen, daß sich die
treibhauswirksamen Gesamtemissionen aus einer Vielzahl von für sich genommen
meist kleinen Einzelquellen speisen, die bei der notwendigen Reduktion der
Treibhausgase alle auf Minderungsmöglichkeiten zu überprüfen sind.
Anhang
Die Tabellen IV bis VII dienen der Vervollständigung der
umweltrelevanten Emissionsdaten der fluorierten Treibhausgase in Deutschland.
Die Tabellen IV und V enthalten die Emissionen für die
Stichjahre 1995, 2000, 2005 und 2010 in Tonnen pro Jahr: Tabelle IV nach
BaU-Szenario und Tabelle V nach Minderungsszenario.
Die Tabellen VI und VII enthalten die realen Emissionen der
Jahre 1995 bis 1997: Tabelle VI in Tonnen pro Jahr und Tabelle VII in Mio. t CO2-Äquivalente.




Diagramm
II: Emissionen der drei fluorierten Treibhausgase 1995-2010 im Minderungsszenario
in Mio. t CO2-Äquivalente. Sowohl die SF6- als auch
PFC-Emissionen (untere Flächen) sinken zwischen 1995 und 2010. Entscheidend
für das Minderungspotential (weiße Fläche oben) ab dem Jahr 2000 ist aber der
im Vergleich zu Diagramm I moderate Anstieg der HFKW.